Steuern

Umsatzsteuer 2026: Steuersätze inkl. 4,9 %, Voranmeldung, Kleinunternehmer, OSS

Umsatzsteuer in Österreich 2026: vier Steuersätze seit Juli 2026 (20, 13, 10 und 4,9 %), Beherbergung 10 %, Kleinunternehmer bis 55.000 € mit Toleranz bis 60.500 €, Voranmeldung und OSS.

AutorRedaktionStand14. Oktober 2026Lesezeit7 Minuten

Seit 1. Juli 2026 kennt das österreichische Umsatzsteuergesetz vier Steuersätze statt drei: Zu 20 %, 13 % und 10 % ist ein Satz von 4,9 % für Grundnahrungsmittel wie Milch, Brot, Eier und frisches Gemüse dazugekommen. Wer Lebensmittel verkauft, muss seither genau zuordnen. Für alle anderen Unternehmer gilt weiter: Die meisten Leistungen kosten 20 %, und wer im Jahr nicht mehr als 55.000 € umsetzt, kann als Kleinunternehmer ganz ohne Umsatzsteuer abrechnen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Steuersätze: 20 % Normalsatz, 13 %, 10 % und seit 1. Juli 2026 4,9 % für die Grundnahrungsmittel der Anlage 3 UStG.
  • Beherbergung kostet 10 %, ein im Preis enthaltenes Frühstück ebenso.
  • Kleinunternehmer: steuerfrei bis 55.000 € Jahresumsatz, gerechnet ohne Herausrechnen einer Umsatzsteuer. Bis 60.500 € bleibt die Befreiung bis Jahresende.
  • Voranmeldung: bis 55.000 € Vorjahresumsatz grundsätzlich keine, bis 100.000 € vierteljährlich, darüber monatlich. Frist ist der 15. des zweitfolgenden Monats.
  • Versand an Privatkunden in anderen EU-Ländern: ab 10.000 € im Jahr gilt die Umsatzsteuer des Bestimmungslandes, erklärt wird über den One-Stop-Shop.

Die vier Steuersätze

Satz
Gilt für, Beispiele
Rechtsgrundlage
20 %
alle Umsätze ohne Ermäßigung: Beratung, Handwerk, IT, die meisten Waren
§ 10 Abs. 1 UStG
13 %
Umsätze als Künstler, Theater, Konzerte, Museen, Kino, Zirkus, Eintritt zu Sportveranstaltungen, Schwimmbäder, Personenbeförderung im Flugzeug, Pflanzen, lebende Tiere, Futtermittel, Ab-Hof-Verkauf von Wein
§ 10 Abs. 3 UStG, Anlage 2
10 %
Lebensmittel außerhalb der Anlage 3, Speisen in der Gastronomie, Bücher und Zeitungen, Wohnungsvermietung, Beherbergung, Personenbeförderung, Müllabfuhr, kleine Reparaturen von Fahrrädern, Schuhen und Kleidung
§ 10 Abs. 2 UStG, Anlage 1
4,9 %
Milch, Joghurt, Butter, frische Hühnereier, frisches und gefrorenes Gemüse, Äpfel, Birnen und Steinobst, Reis, Weizenmehl und Grieß, ungefüllte Teigwaren, Brot, Speisesalz
§ 10 Abs. 1a UStG, Anlage 3

Maßgeblich ist jeweils die genaue Position der Kombinierten Nomenklatur in der Anlage zum UStG. Stand Oktober 2026.

Der Satz von 4,9 % gilt nur für die Lieferung der Waren selbst, also im Handel. Ein Brot im Restaurant ist eine Restaurationsleistung mit 10 %. Und er gilt nur, wenn die Ware ausschließlich unter eine der genannten Positionen des Zolltarifs fällt. Bei verarbeiteten oder gemischten Produkten entscheidet deshalb die Einreihung, nicht der Name auf der Verpackung.

Bei der Beherbergung beträgt der Satz 10 %. Das ortsübliche Frühstück ist eine Nebenleistung der Übernachtung, wenn es im Zimmerpreis enthalten ist, und teilt deren Steuersatz (§ 10 Abs. 2 Z 3 lit. c UStG). Was darüber hinausgeht, etwa Getränke oder Wellnessleistungen, wird getrennt mit dem jeweils eigenen Steuersatz abgerechnet.

Steuerfreie Umsätze

Einige Umsätze sind ganz von der Umsatzsteuer befreit. Bei den meisten davon gibt es im Gegenzug keinen Vorsteuerabzug (unecht steuerfrei), etwa bei Heilbehandlungen als Arzt, bei Bank- und Versicherungsumsätzen und bei den Umsätzen der Kleinunternehmer. Echte Befreiungen mit Vorsteuerabzug gelten für Ausfuhren in Drittländer und innergemeinschaftliche Lieferungen an Unternehmer in anderen EU-Ländern. Die Bedingungen dafür stehen im Beitrag zur innergemeinschaftlichen Lieferung.

Kleinunternehmer: steuerfrei bis 55.000 €

Kleinunternehmer ist, wer im vorangegangenen Kalenderjahr nicht mehr als 55.000 € umgesetzt hat und diese Grenze im laufenden Jahr noch nicht überschreitet (§ 6 Abs. 1 Z 27 UStG). Gerechnet wird mit dem tatsächlich vereinnahmten Entgelt, eine fiktive Umsatzsteuer wird nicht herausgerechnet. Die WKO spricht deshalb von einer Bruttogrenze. Nicht mitgezählt werden unter anderem Hilfsgeschäfte wie der Verkauf eines Betriebsautos und viele steuerfreie Umsätze, etwa ärztliche Heilbehandlungen.

Seit 2025 gilt beim Überschreiten:

  • Bis 60.500 €: Die Befreiung bleibt bis zum Jahresende. Im Folgejahr sind Sie steuerpflichtig, weil die Grenze im Vorjahr überschritten wurde.
  • Über 60.500 €: Die Befreiung endet mit dem Umsatz, mit dem die Grenze überschritten wird. Umsätze davor bleiben steuerfrei, Rechnungen müssen also nicht rückwirkend korrigiert werden.

Die Toleranz von 10 % gilt in jedem Jahr, in dem sie gebraucht wird. Kleinunternehmer stellen Rechnungen ohne Umsatzsteuer mit einem Hinweis auf die Befreiung aus, etwa „Umsatzsteuerfrei aufgrund der Kleinunternehmerregelung“. Wer trotzdem Umsatzsteuer auf die Rechnung schreibt, schuldet sie dem Finanzamt, ohne selbst Vorsteuer abziehen zu dürfen.

Man kann auf die Befreiung verzichten, etwa wenn hohe Investitionen anstehen und die Vorsteuer zurückgeholt werden soll. Der Verzicht wirkt ab Beginn eines Kalenderjahres und bindet für mindestens fünf Jahre (§ 6 Abs. 3 UStG). Wann sich das rechnet, steht im Beitrag zur Kleinunternehmerregelung.

Achtung: Steuerpflicht ab dem Folgejahr
Wer im ersten Jahr 58.000 € umsetzt, bleibt dank Toleranz bis Silvester steuerfrei. Ab 1. Jänner ist er aber steuerpflichtig, weil der Vorjahresumsatz über 55.000 € lag. Die Preise für das neue Jahr sollten das berücksichtigen, denn gegenüber Privatkunden lässt sich die Umsatzsteuer meist nicht einfach aufschlagen.

Umsatzsteuervoranmeldung

Wer steuerpflichtig ist, meldet die Umsatzsteuer über FinanzOnline. Wie oft, hängt vom Umsatz des Vorjahres ab:

Umsatz im Vorjahr
Voranmeldung
bis 55.000 €
keine Abgabepflicht, solange die Zahllast pünktlich bezahlt wird, kein Überschuss entsteht und das Finanzamt sie nicht verlangt
über 55.000 € bis 100.000 €
vierteljährlich
über 100.000 €
monatlich

Quelle: USP, Umsatzsteuervoranmeldung, Stand 1. Jänner 2026.

Voranmeldung und Zahlung sind am 15. des zweitfolgenden Monats fällig. Für Quartalszahler heißt das: 15. Mai, 15. August, 15. November und 15. Februar. Die Zahllast für Mai ist bei monatlicher Abgabe am 15. Juli fällig. Ergibt sich ein Vorsteuerüberschuss, muss die Voranmeldung immer abgegeben werden, der Betrag wird dem Abgabenkonto gutgeschrieben. Wer zu spät abgibt, riskiert einen Verspätungszuschlag von bis zu 10 % der Steuer.

Geschäfte mit dem Ausland

Versand an Privatkunden in der EU

Wer Waren an Privatkunden in andere EU-Länder verschickt oder elektronische Dienstleistungen wie Apps oder E-Books an sie verkauft, versteuert bis zu einer Grenze von 10.000 € netto im Jahr in Österreich. Die Grenze gilt für alle EU-Länder zusammen, nicht pro Land. Darüber wird die Umsatzsteuer des jeweiligen Bestimmungslandes fällig.

Damit Sie sich nicht in jedem Land registrieren müssen, gibt es den One-Stop-Shop (OSS). Die Anmeldung läuft über FinanzOnline und setzt eine österreichische UID-Nummer voraus. Erklärt und bezahlt wird vierteljährlich, jeweils innerhalb eines Monats nach Quartalsende, also für das erste Quartal bis Ende April. Auch ein Quartal ohne Umsätze braucht eine Nullmeldung.

Leistungen an Unternehmer und UID-Nummer

Lieferungen an Unternehmer in anderen EU-Ländern sind in Österreich steuerfrei, wenn beide eine gültige UID-Nummer haben und die Ware nachweislich ins andere Land gelangt. Der Empfänger versteuert den Erwerb dort. Bei Dienstleistungen zwischen Unternehmern aus verschiedenen Ländern geht die Steuerschuld meist auf den Empfänger über (Reverse Charge). Das gilt auch umgekehrt: Wer als österreichischer Unternehmer Software oder Werbeleistungen von einem ausländischen Anbieter bezieht, muss die österreichische Umsatzsteuer dafür in der Regel selbst melden.

Steuerpflichtige Unternehmer erhalten die UID-Nummer vom Finanzamt. Kleinunternehmer bekommen sie nur auf Antrag mit dem Formular U15, wenn sie sie brauchen, etwa für Geschäfte mit Unternehmern in anderen EU-Ländern. Mehr dazu im Beitrag zur UID-Nummer.

Häufige Fehler

  • Falscher Satz bei Lebensmitteln: Seit Juli 2026 entscheidet die genaue Warenposition zwischen 4,9 % und 10 %. Die Kassensysteme müssen die neuen Warengruppen kennen.
  • Beherbergung mit 13 %: Dieser Satz galt nur von Mai 2016 bis Oktober 2018. Seither sind es wieder 10 %.
  • Umsatzsteuer auf der Rechnung eines Kleinunternehmers: Sie wird geschuldet, ein Vorsteuerabzug steht nicht zu.
  • Ungültige UID beim Kunden: Ohne gültige UID-Nummer des Empfängers fällt die Steuerbefreiung der innergemeinschaftlichen Lieferung weg.
  • Reverse Charge übersehen: Rechnungen ausländischer Anbieter ohne Umsatzsteuer müssen trotzdem in der Voranmeldung erfasst werden.

Häufige Fragen

Welche Lebensmittel haben 4,9 % Umsatzsteuer?

Seit 1. Juli 2026 Milch, Joghurt, Butter, frische Hühnereier, frisches und gefrorenes Gemüse, Äpfel, Birnen und Steinobst, Reis, Weizenmehl und Grieß, ungefüllte Teigwaren, Brot und Speisesalz. Andere Lebensmittel bleiben bei 10 %, Speisen in der Gastronomie ebenso.

Wie viel Umsatzsteuer kostet eine Hotelübernachtung?

10 %. Ein ortsübliches Frühstück, das im Zimmerpreis enthalten ist, gehört zur Übernachtung und wird ebenfalls mit 10 % versteuert.

Was passiert, wenn ich die Kleinunternehmergrenze überschreite?

Bis 60.500 € bleiben Sie bis Jahresende steuerfrei und werden im Folgejahr steuerpflichtig. Darüber endet die Befreiung mit dem Umsatz, der die Grenze überschreitet. Frühere Umsätze bleiben steuerfrei.

Muss ich als Kleinunternehmer eine Voranmeldung abgeben?

Grundsätzlich nicht. Nur wenn das Finanzamt dazu auffordert oder ausnahmsweise Umsatzsteuer anfällt, etwa bei Reverse-Charge-Leistungen aus dem Ausland, ist sie zu melden.

Ab wann brauche ich den One-Stop-Shop?

Wenn Ihre Verkäufe an Privatkunden in anderen EU-Ländern, Waren und elektronische Dienstleistungen zusammen, 10.000 € netto im Jahr übersteigen. Dann gilt die Umsatzsteuer des jeweiligen Landes, die Sie über den OSS in Österreich erklären.

Quellen