Steuern

Steuerberater für Kleinunternehmer 2026: Kosten und Pauschalierung

Steuerberater für Kleinunternehmer in Österreich 2026: Kosten ohne fixen Tarif, Basispauschalierung 15 Prozent bis 420.000 Euro, Vorsteuerpauschale 1,8 Prozent.

AutorRedaktionStand14. Oktober 2026Lesezeit6 Minuten

Was ein EPU oder Kleinunternehmen in Österreich für den Steuerberater zahlt, hängt vor allem von Belegmenge, Art der Gewinnermittlung und Leistungsumfang ab. Einen gesetzlichen Tarif gibt es nicht. Als Richtwerte nennt der Buchhaltungssoftware-Anbieter FreeFinance 120 bis 310 Euro pro Stunde Steuerberatung und Fixpreis-Pakete für Einzelunternehmen ab rund 500 Euro pro Abschlussjahr. Mit der angehobenen Basispauschalierung 2026 sinkt der Buchhaltungs-Aufwand für viele zusätzlich.

Das Wichtigste in Kürze

  • Kein gesetzlicher Tarif: Steuerberatung laut FreeFinance 120 bis 310 Euro pro Stunde
  • Fixpreis-Pakete für Einzelunternehmen ab etwa 500 Euro pro Abschlussjahr
  • Basispauschalierung 2026: Umsatzgrenze auf 420.000 Euro erhöht (von 320.000), Pauschale 15 Prozent (von 13,5 %), max 63.000 Euro
  • Kleinunternehmerpauschalierung: 20 Prozent für Dienstleistungsbetriebe (höchstens 11.000 Euro), 45 Prozent für andere Betriebe (höchstens 24.750 Euro)
  • Pauschale Vorsteuer: 1,8 Prozent des Umsatzes, höchstens 7.560 Euro, für Umsatzsteuerpflichtige ohne Buchführung mit Vorjahresumsatz bis 420.000 Euro
  • Stand: Oktober 2026

Wann braucht ein Kleinunternehmer einen Steuerberater?

Drei einfache Faustregeln helfen bei der Entscheidung:

1. Sie kommen ohne aus, wenn: Sie unter die Kleinunternehmerregelung 2026 fallen (Umsatz unter 55.000 Euro netto), wenig Belege haben, eine einfache Einnahmen-Ausgaben-Rechnung führen und keine Mitarbeiter beschäftigen. In diesem Fall reicht eine Buchhaltungs-Software plus eine Beratungsstunde pro Jahr beim Steuerberater zur Optimierung.

2. Steuerberater rechnet sich, wenn: Sie Mitarbeiter ab zwei Personen haben, USt-pflichtig sind mit häufigen Voranmeldungen, in eine Pauschalierung wechseln wollen oder Sonderkonstellationen vorliegen (Auslandsumsätze, Investitionen, Kryptowährungen).

3. Bei einer GmbH oder anderen Kapitalgesellschaft: Eine gesetzliche Pflicht gibt es auch hier nicht, aber Bilanzierung und Körperschaftsteuer sind ohne Steuerberater kaum zu bewältigen. Mehr unter GmbH gründen.

Was kostet die Steuerberatung für ein EPU 2026?

Viele Kanzleien bieten EPU und Kleinunternehmern Pauschalpakete an. Die Durchschnittswerte, die FreeFinance aus den Angaben verschiedener Kanzleien zusammengetragen hat, stehen im Beitrag zu den Steuerberater-Kosten in Österreich.

Für ein EPU entscheidet vor allem, was im Paket steckt: nur E/A-Rechnung und Einkommensteuererklärung, zusätzlich die Umsatzsteuervoranmeldungen, laufende Buchhaltung oder regelmäßige Beratung. Mit Mitarbeitern kommt die Personalverrechnung dazu, die meist pro Person abgerechnet wird. Angebote lassen sich erst vergleichen, wenn dieser Umfang feststeht.

Self-Service: Wo Sie Kanzleistunden sparen

Wer als EPU die Vorarbeit selbst macht, reduziert die Steuerberater-Kosten deutlich. Vier Stellen, an denen das funktioniert:

  • Belegerfassung: Belege monatlich digital strukturieren statt Schuhkarton an die Kanzlei. Mit einer Buchhaltungs-Software kommen die Belege bereits geordnet in der Kanzlei an.
  • Umsatzsteuer-Voranmeldung: Mit der Software selbst erstellen und über FinanzOnline abgeben, statt sie in der Kanzlei erstellen zu lassen.
  • Pauschalierung statt Vollbuchhaltung: Wer pauschaliert, erfasst neben den Einnahmen nur die wenigen Ausgaben, die zusätzlich zur Pauschale abziehbar sind. Mehr dazu in Kleinunternehmerpauschalierung.
  • Belegprüfung vorab: Belege auf Vollständigkeit, korrekte Umsatzsteuer und Plausibilität selbst prüfen. Spart Klärungs-Stunden in der Kanzlei.
Praxis-Tipp: Steuerberatungskosten als Sonderausgabe
Wer den Gewinn mit der Basispauschalierung ermittelt, kann Steuerberatungskosten nicht als Betriebsausgabe abziehen, weil sie mit der Pauschale abgegolten sind. Als Sonderausgaben lassen sie sich aber trotzdem geltend machen.

Pauschalierung 2026: Was sich verbessert hat

Mit der Veranlagung 2026 wurde die Basispauschalierung ausgeweitet, die Kleinunternehmerpauschalierung blieb unverändert.

Basispauschalierung neu: Die Umsatzgrenze ist von 320.000 auf 420.000 Euro angehoben. Die Pauschale für Betriebsausgaben steigt von 13,5 auf 15 Prozent, mit einem Höchstbetrag von 63.000 Euro pro Jahr. Für bestimmte Tätigkeiten (kaufmännische und technische Beratung, schriftstellerische, vortragende, wissenschaftliche, unterrichtende oder erzieherische Tätigkeit) gilt der reduzierte Satz von 6 Prozent, höchstens 25.200 Euro.

Kleinunternehmerpauschalierung: Wer unter die Kleinunternehmerregelung fällt, kann bei einem Dienstleistungsbetrieb pauschal 20 Prozent der Einnahmen als Betriebsausgaben abziehen (höchstens 11.000 Euro), bei allen anderen Betrieben 45 Prozent (höchstens 24.750 Euro). Daneben sind nur Sozialversicherungsbeiträge, die Pauschale für eine Öffi-Zeitkarte sowie Reise- und Fahrtkosten mit Kostenersatz abziehbar.

Vorsteuerpauschale: Sie hängt nicht an einer der beiden Pauschalierungen, sondern an deren Voraussetzungen: keine Buchführung und höchstens 420.000 Euro Vorjahresumsatz. Wer umsatzsteuerpflichtig ist, kann die Vorsteuer dann mit 1,8 Prozent des Umsatzes ansetzen, höchstens 7.560 Euro (§ 14 UStG), statt Vorsteuerbeträge einzeln zu erfassen.

Buchhaltungssoftware vs. Steuerberater: Wo die Grenze liegt

Moderne Buchhaltungs-Software erledigt viele Routineaufgaben selbst: Belegerfassung, Bankimport, Umsatzsteuervoranmeldung. Eine Auswahl mit Preisen:

Software
Schwerpunkt
Preis (ohne USt)
sevdesk
EPU und kleine KMU, österreichische Version
Rechnung 11,90 € pro Monat, Buchhaltung ab 25,90 € pro Monat
BMD
Österreichischer Klassiker für KMU und Steuerberater-Anbindung
je nach Modul
Banana
Schweizer Software, E/A-Rechnung und doppelte Buchhaltung
Professional 84 € pro Jahr, Advanced 169 € pro Jahr

Welche Schnittstelle die Software zum eigenen Geschäftskonto hat, entscheidet über die tatsächliche Zeitersparnis. Ein automatischer Import der Kontobewegungen spart die manuelle Buchung.

Achtung: Steuerberater muss das Pauschalierungs-Wechsel-Risiko prüfen
Der Wechsel zwischen Pauschalierung und voller E/A-Rechnung bzw. Bilanzierung ist nicht beliebig oft möglich. Insbesondere die Kleinunternehmerpauschalierung kann bei Überschreiten der Umsatzgrenze rückwirkend entfallen. Vor dem ersten Pauschalierungs-Antrag eine Beratungsstunde investieren - das spart später unter Umständen mehrjährige Korrekturen.

Was beim Erstgespräch klären

Vor der Beauftragung eines Steuerberaters folgende sechs Punkte schriftlich anfragen:

  1. Stundensatz für Beratung außerhalb der Pauschale
  2. Pauschalpaket-Inhalte: Was ist enthalten, was kostet extra?
  3. Software-Anbindung: Welche Buchhaltungs-Tools sind integriert?
  4. Kommunikationswege: E-Mail, Telefon, persönlich, Video-Call - und was kostet was?
  5. Sonderfälle: Was wäre die geschätzte Zusatzrechnung für eine Betriebsprüfung oder USt-Sonderprüfung?
  6. Wechsel-Konditionen: Falls ein anderer Steuerberater bisher die Buchhaltung gemacht hat - was kostet die Übernahme?

Ein seriöser Steuerberater liefert eine indikative schriftliche Aufstellung innerhalb weniger Tage - ohne diese Transparenz lieber weiter suchen.

Häufige Fragen

Was kostet ein Steuerberater für ein EPU im Monat?

Einen fixen Monatsbetrag gibt es nicht. Die Kosten hängen davon ab, ob nur Jahresabschluss und Steuererklärung oder auch laufende Buchhaltung und Beratung beauftragt werden. FreeFinance nennt Fixpreis-Pakete für Einzelunternehmen ab rund 500 Euro pro Abschlussjahr als unterste Messlatte.

Lohnt sich die Basispauschalierung 2026 für mich?

Ja, wenn Ihre tatsächlichen Betriebsausgaben ohne Wareneinsatz, Löhne und Sozialversicherungsbeiträge unter 15 Prozent (bei bestimmten Tätigkeiten 6 Prozent) des Umsatzes liegen und der Vorjahresumsatz 420.000 Euro nicht übersteigt. Wareneinsatz, Löhne und Sozialversicherung können Sie zusätzlich zur Pauschale abziehen.

Kann ich mit der Kleinunternehmerregelung trotzdem die Vorsteuer pauschal nutzen?

Nein. Wer die Kleinunternehmerbefreiung nutzt, hat keinen Vorsteuerabzug, auch keinen pauschalen. Die Vorsteuerpauschale von 1,8 Prozent steht nur umsatzsteuerpflichtigen Unternehmern zu, die keine Bücher führen und im Vorjahr höchstens 420.000 Euro Umsatz hatten.

Sind Steuerberatungskosten absetzbar?

Ja. Bei normaler Gewinnermittlung als Betriebsausgaben. Wer die Basispauschalierung nutzt, kann sie nicht zusätzlich als Betriebsausgabe abziehen, aber als Sonderausgaben geltend machen.

Wie wechsle ich den Steuerberater?

Schriftliche Kündigung mit Stichtag (meist Quartals- oder Jahresende), Datenübergabe an den neuen Berater, Schlussabrechnung. Die Übernahme verursacht beim neuen Steuerberater Einarbeitungsaufwand; nach den Kosten dafür fragen Sie am besten schon im Angebot. Mehr in Steuerberater-Wahl.

Quellen