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Makler werden in Österreich 2026: Versicherung, Wertpapiere, Immobilien

Makler werden in Österreich 2026: Versicherungs-, Wertpapier-, Immobilien-, Hypothekarmakler. Alle Befähigungen, Konzessionen und Wege zur Selbstständigkeit.

AutorRedaktionVeröffentlicht7. März 2017Stand26. April 2026Lesezeit5 Minuten

Wer 2026 in Österreich als Makler durchstarten möchte, hat fünf Hauptrouten – jede mit eigenen Befähigungs- und Konzessions-Anforderungen. Versicherungsmakler, Wertpapiermakler, Immobilienmakler, Hypothekarkreditmakler und Personalvermittler werden alle als selbstständige Vermittler tätig, aber unter unterschiedlichen Aufsichtsbehörden und mit verschiedenen Befähigungs-Pfaden.

Das Wichtigste in Kürze

  • Fünf Maklerformen in Österreich: Versicherung, Wertpapier, Immobilien, Hypothekarkredit, Personal
  • Alle reglementierte Gewerbe nach Gewerbeordnung – Befähigungsnachweis erforderlich
  • Versicherungs- und Immobilienmakler unter WKO-Aufsicht, Wertpapiermakler unter FMA-Aufsicht
  • Vermögensschaden-Haftpflicht mindestens 100.000 Euro bei den meisten Maklerformen Pflicht
  • Befähigungsprüfung am WIFI typisch 6-12 Monate Vorbereitung
  • Stand: April 2026

Die fünf Maklerformen im Überblick

Der Begriff Makler bezeichnet im österreichischen Recht eine vermittelnde Tätigkeit zwischen zwei Vertragsparteien. Je nach Vermittlungsgegenstand gelten unterschiedliche Regulierungen.

Maklerform
Vermittelt
Aufsicht
Versicherungsmakler
Versicherungsverträge
WKO + Aufsicht durch BMI
Wertpapiermakler / -dienstleister
Wertpapiere, Fonds, Anlagen
FMA (Konzessionspflicht)
Immobilienmakler
Wohn- und Gewerbeimmobilien
WKO Fachverband
Hypothekarkreditmakler
Wohnimmobilien-Kredite
FMA + WKO
Personalvermittler
Arbeitsplätze und Bewerber
WKO + AMS-Anzeige

Versicherungsmakler werden

Der Beruf des Versicherungsmaklers ist in Österreich nach § 94 Z 76 Gewerbeordnung ein reglementiertes Gewerbe. Er unterscheidet sich vom Versicherungsagenten dadurch, dass der Makler im Auftrag des Kunden tätig wird, nicht im Auftrag der Versicherungsgesellschaft.

Befähigungsnachweis Versicherungsmakler:

  • Befähigungsprüfung beim WIFI – schriftlicher und mündlicher Teil zu Versicherungsrecht, Produktwissen, Vertrieb, Steuern
  • Studienabschluss plus Praxis: einschlägiges Studium (Wirtschafts-, Rechts- oder Versicherungswissenschaften) plus mehrjährige Praxis
  • Lehrabschluss Versicherungskaufmann/-frau mit ausreichender Berufserfahrung

Vorbereitungslehrgänge am WIFI dauern typischerweise 6 bis 12 Monate. Kosten: 2.500 bis 4.500 Euro je nach Bundesland und Kursumfang.

Pflichtversicherung: Vermögensschaden-Haftpflicht mit Mindestdeckung 1,3 Millionen Euro pro Schadensfall. Jahresprämien typisch 800 bis 2.500 Euro.

Verdienstmöglichkeit: Versicherungsmakler erhalten Provisionen von der Versicherungsgesellschaft (Courtagen). Die Spannweite ist groß – je nach Spezialgebiet und Kundenstamm 30.000 bis 150.000 Euro Jahresnetto-Einkommen.

Wertpapiermakler / Wertpapierdienstleister werden

Wer Wertpapiere, Fonds oder Anlageprodukte vermittelt oder berät, fällt unter die Konzessionspflicht der Finanzmarktaufsicht (FMA). Das ist deutlich strenger reguliert als andere Maklerformen.

Konzession Wertpapierdienstleister:

  • FMA-Konzession nach Wertpapieraufsichtsgesetz (WAG)
  • Mindestkapital je nach Tätigkeit: 50.000 bis 730.000 Euro
  • Geschäftsplan, Compliance-Konzept, Risikomanagement-System
  • Geschäftsleiter mit nachgewiesener Sachkunde und Zuverlässigkeit
  • Mitgliedschaft in der Anlegerentschädigung

Die Konzessionserteilung dauert typisch 6 bis 12 Monate. Verfahrensgebühren der FMA plus Beratungskosten von Rechtsanwälten und Wirtschaftsprüfern liegen schnell bei 30.000 bis 80.000 Euro.

Alternative ohne Konzession: Vertraglich gebundener Vermittler (vgV) – tätig im Auftrag eines konzessionierten Wertpapierdienstleisters, ohne eigene FMA-Konzession. Niedrigere Einstiegshürde, aber abhängig vom Konzessionsträger.

Immobilienmakler werden

Der Immobilienmakler ist ein reglementiertes Gewerbe als Immobilientreuhänder. Seit 1. Juli 2023 gilt bei Wohnungsmieten das Bestellerprinzip – die Provision zahlt der Auftraggeber.

Für die Detail-Anleitung mit allen Provisionsregeln, Befähigungswegen und Verdienstmöglichkeiten siehe unseren ausführlichen Artikel Selbstständig als Immobilienmakler.

Praxis-Tipp: Mehrere Maklergewerbe parallel
Viele erfolgreiche Versicherungsmakler erweitern ihr Geschäftsmodell um Wertpapiervermittlung als vertraglich gebundener Vermittler oder um Hypothekarkreditmakler-Tätigkeit. Die Kunden überschneiden sich (Privatkunden mit Vermögensaufbau), die Verkaufsgespräche lassen sich zusammenfassen. Voraussetzung: separate Befähigungen pro Maklerart, getrennte Kundenakten und Beratungsdokumentation.

Hypothekarkreditmakler werden

Wer Wohnimmobilien-Kredite vermittelt, fällt unter das Hypothekar- und Immobilienkreditgesetz (HIKrG). Die Tätigkeit ist gewerblich und FMA-meldepflichtig.

Voraussetzungen:

  • Befähigungsnachweis als Vermögensberater oder Versicherungsmakler oder gleichwertige Qualifikation
  • Mindestens 60 Stunden einschlägige Aus- und Weiterbildung pro Jahr
  • Vermögensschaden-Haftpflicht mit Mindestdeckung 460.000 Euro
  • FMA-Meldung als Kreditvermittler

Verdienst: Provisionen von 0,5 bis 2 Prozent des Kreditbetrags. Bei einem 300.000-Euro-Wohnkredit also 1.500 bis 6.000 Euro pro Vermittlung.

Personalvermittler werden

Personalvermittlung bedeutet die Suche und Vermittlung von Arbeitnehmern an Arbeitgeber für unbefristete Dienstverhältnisse – im Unterschied zur Arbeitskräfteüberlassung (Leasing).

Voraussetzungen:

  • Reglementiertes Gewerbe: Arbeitsvermittler oder Personalbereitsteller
  • Befähigungsnachweis: Konzessionsprüfung, Studium plus Praxis oder Lehrabschluss plus Erfahrung
  • Anzeige beim AMS: Information über die Aufnahme der Vermittlungstätigkeit
  • Verschwiegenheits- und Datenschutz-Compliance (besonders DSGVO)

Verdienst: Provisionen von 15 bis 30 Prozent des ersten Jahresgehalts der vermittelten Position. Bei einer 60.000-Euro-Stelle also 9.000 bis 18.000 Euro pro Vermittlung. Top-Headhunter im Executive-Bereich verlangen bis zu 33 Prozent.

Achtung: Trennung von Auftraggeber und Vermittler
Bei jeder Maklerform gilt: Sie können nicht gleichzeitig im Interesse zweier konkurrierender Auftraggeber tätig sein. Ein Versicherungsmakler arbeitet im Auftrag des Versicherungsnehmers – nicht der Versicherung. Ein Immobilienmakler darf nicht gleichzeitig für Käufer und Verkäufer als Sachverständiger auftreten. Verstöße gegen diese Trennungspflicht können zum Konzessionsentzug führen.

Rechtsformwahl: EPU, GmbH oder FlexCo?

Welche Rechtsform für die Maklertätigkeit?

EPU / Einzelunternehmen: Niedrigste Einstiegskosten, einfache Buchhaltung. Sinnvoll für Solo-Makler in der Anfangsphase. Mehr unter EPU in Österreich.

GmbH: Haftungsbeschränkung wichtig bei höheren Provisionssummen oder Komplex-Beratungen. Höhere laufende Kosten (KöSt, Bilanzpflicht). Sinnvoll ab 100.000 Euro Jahresumsatz oder bei Anstellung weiterer Makler.

FlexCo (Flexible Kapitalgesellschaft): Seit 2024 in Österreich verfügbar. Vorteile: einfacher als GmbH, Mitarbeiterbeteiligung möglich. Sinnvoll für junge Makler-Teams mit Wachstumsambitionen.

Anmeldung und erste Schritte

Unabhängig von der Maklerform sind die ersten fünf Schritte ähnlich:

  1. Befähigung erbringen (WIFI-Lehrgang, Prüfung oder einschlägige Vorbildung plus Praxis)
  2. Rechtsform wählen und gegebenenfalls Firmenbuch-Eintrag (bei GmbH/FlexCo)
  3. Gewerbeschein beantragen beim Bezirksamt mit allen Unterlagen – siehe Gewerbeschein beantragen
  4. Vermögensschaden-Haftpflichtversicherung abschließen
  5. SVS-Anmeldung als selbstständiger Gewerbetreibender

Bei FMA-Konzessionspflicht (Wertpapiere) kommt vorher das Konzessionsverfahren – rechnen Sie 6 bis 12 Monate Vorlauf.

Rechtlicher Hinweis:
Dieser Artikel ersetzt keine individuelle Rechtsberatung. Konkrete Anforderungen für die jeweilige Maklerform – Befähigungsnachweis, Versicherungsdeckung, Konzessionsverfahren – klären Sie mit der WKO-Beratungsstelle, der FMA oder einem Rechtsanwalt mit Schwerpunkt Gewerberecht. Stand der Informationen: April 2026.

Häufige Fragen

Welcher Makler verdient am meisten?

Im Durchschnitt liegen Wertpapiervermittler im gehobenen Privatkunden- und Firmen-Segment vorne (oft 80.000 bis 200.000 Euro Jahresnetto). Personalvermittler im Executive-Bereich erreichen ähnliche Werte. Versicherungs- und Immobilienmakler streuen breiter.

Kann ich ohne Befähigungsprüfung Makler werden?

Nur mit einschlägigem Studium plus Praxis oder Lehrabschluss plus Berufserfahrung als Alternative. Ohne jede Vorbildung gibt es keinen Weg in das reglementierte Maklergewerbe.

Brauche ich eine FMA-Konzession als Versicherungsmakler?

Nein. Versicherungsmakler unterliegen der Gewerbeordnung und nicht dem Wertpapieraufsichtsgesetz. Konzessionspflicht durch die FMA betrifft nur den Versicherungsbetrieb (also die Versicherer selbst), nicht die Vermittler.

Was kostet die Vermögensschaden-Haftpflicht?

Je nach Maklerform 600 bis 2.500 Euro Jahresprämie. Bei höherer Deckung oder mehreren Maklergewerben entsprechend höher.

Kann ich neben einer Anstellung als Makler tätig sein?

Ja. Nebenberufliche Maklertätigkeit ist möglich, sofern keine Konkurrenzklausel mit dem Hauptarbeitgeber besteht. Mehr unter nebenberuflich selbstständig.

Quellen