Die Gewerbeanmeldung selbst kostet in Österreich nichts. Seit der Gewerberechtsnovelle 2017 sind alle Eingaben nach der Gewerbeordnung von Gebühren und Abgaben des Bundes befreit, auch die GISA-Auszüge. Teuer wird es nur, wer ohne Anmeldung arbeitet: Ein Gewerbe ohne Berechtigung auszuüben, ist eine Verwaltungsübertretung mit bis zu 3.600 € Strafe (§ 366 GewO).
- Angemeldet wird bei der Bezirksverwaltungsbehörde des Standorts, online über das Unternehmensserviceportal mit ID Austria oder EU-Login.
- Die Anmeldung ist kostenlos, auch ohne NeuFöG-Formular.
- Ein freies Gewerbe dürfen Sie in der Regel ab dem Tag der Anmeldung ausüben, sobald alle Nachweise vorliegen. Die Eintragung ins GISA folgt binnen drei Monaten.
- Reglementierte Gewerbe brauchen einen Befähigungsnachweis, 13 Gewerbe zusätzlich eine Zuverlässigkeitsprüfung mit Bescheid.
- Mit der Anmeldung beginnt die SVS-Pflichtversicherung. Kleine Gewerbetreibende können auf Antrag eine Ausnahme beantragen.
- Die Grundumlage der Wirtschaftskammer fällt schon im Gründungsjahr an, befreit sind Neugründer im Folgejahr.
Brauche ich einen Gewerbeschein?
Ob Sie ein Gewerbe anmelden müssen, ist keine Wahl, sondern hängt von der Tätigkeit ab. Die Gewerbeordnung gilt für alle Tätigkeiten, die selbstständig, regelmäßig und mit der Absicht ausgeübt werden, einen Ertrag zu erzielen, soweit sie nicht ausdrücklich ausgenommen sind. Ausgenommen sind vor allem:
- Freie Berufe wie Ärzte, Rechtsanwälte, Notare, Steuerberater oder Ziviltechniker. Sie brauchen keine Gewerbeberechtigung, aber die Eintragung bei ihrer eigenen Kammer.
- Neue Selbständige, etwa Vortragende, Künstler, Schriftsteller oder Trainer, deren Tätigkeit nicht unter die Gewerbeordnung fällt. Sie melden sich direkt bei der SVS.
- Land- und Forstwirtschaft mit eigenen Regeln und eigener Versicherung.
Welche Berufe zu welcher Gruppe gehören, zeigt der Beitrag zu freien Berufen und freien Gewerben. Fällt Ihre Tätigkeit unter die Gewerbeordnung, unterscheidet das Gesetz zwei Arten:
Art |
Voraussetzung |
Beginn der Tätigkeit |
|---|---|---|
Freies Gewerbe, z. B. Handelsgewerbe |
kein Befähigungsnachweis |
ab dem Tag der Anmeldung |
Reglementiertes Gewerbe, abschließend in § 94 GewO aufgezählt |
Befähigungsnachweis, etwa Meister- oder Befähigungsprüfung |
ab dem Tag der Anmeldung mit allen Nachweisen |
Reglementierte Gewerbe nach § 95 GewO, z. B. Baumeister, Elektrotechnik, Gas- und Sanitärtechnik, Gewerbliche Vermögensberatung |
Befähigungsnachweis und Zuverlässigkeitsprüfung |
erst mit rechtskräftigem Bescheid |
Bei der Versicherungs-, Kredit- und Wertpapiervermittlung beginnt die Tätigkeit laut Wirtschaftsministerium erst mit der Eintragung ins GISA. Die Liste der reglementierten Gewerbe und die Wege zum Befähigungsnachweis, etwa über die Unternehmerprüfung als Modul der Meisterprüfung, stehen in eigenen Beiträgen.
Voraussetzungen
Für jedes Gewerbe müssen Sie eigenberechtigt, also volljährig sein (§ 8 GewO). Staatsangehörige der EU, des EWR und der Schweiz sind gleichgestellt, Drittstaatsangehörige brauchen einen Aufenthaltstitel, der die selbstständige Erwerbstätigkeit erlaubt. Ausgeschlossen ist, wer einen Gewerbeausschlussgrund nach § 13 GewO erfüllt, etwa bestimmte strafgerichtliche Verurteilungen oder wenn ein Insolvenzverfahren über das eigene Vermögen mangels Kostendeckung nicht eröffnet wurde.
Bei reglementierten Gewerben kommt der Befähigungsnachweis dazu. Wer die vorgeschriebenen Zeugnisse nicht hat, kann die individuelle Befähigung feststellen lassen, also nachweisen, dass Ausbildung und Praxis gleichwertig sind. Alternativ kann ein gewerberechtlicher Geschäftsführer bestellt werden, der die Befähigung mitbringt.
Anmeldung: online oder bei der Behörde
Zuständig ist die Bezirksverwaltungsbehörde des Standorts, in Statutarstädten der Magistrat (§ 339 Abs. 1 GewO). Online geht es über das Unternehmensserviceportal, für die Anmeldung braucht es ID Austria oder EU-Login. Die Anmeldung muss die genaue Bezeichnung des Gewerbes und den Standort enthalten.
Beizulegen sind nach § 339 Abs. 3 GewO nur Nachweise zu Name, Wohnung, Alter und Staatsangehörigkeit und bei reglementierten Gewerben der Befähigungsnachweis. Daten, die die Behörde selbst elektronisch abfragen kann, müssen Sie nicht vorlegen. Weitere Urkunden verlangt das Gesetz nicht.
Liegen alle Voraussetzungen vor, trägt die Behörde Sie spätestens binnen drei Monaten ins Gewerbeinformationssystem GISA ein und schickt einen Auszug, das ist Ihr Gewerbeschein (§ 340 GewO). Ausüben dürfen Sie ein Gewerbe laut Wirtschaftsministerium grundsätzlich ab dem Tag der Anmeldung, wenn alle Nachweise beiliegen. Für die Gewerbe nach § 95 erlässt die Behörde binnen drei Monaten einen Bescheid, erst mit dessen Rechtskraft dürfen Sie beginnen.
Was die Anmeldung kostet und was danach kommt
Die Anmeldung selbst ist kostenlos. Das gilt seit 2017 unabhängig vom Neugründungs-Förderungsgesetz, wie die Wirtschaftskammer festhält. Das NeuFöG-Formular brauchen Sie trotzdem, aber für andere Stellen: Es befreit von Gebühren etwa beim Firmenbuch und von bestimmten Lohnnebenkosten für die ersten Mitarbeiter. Es muss bei der jeweiligen Stelle mit dem Antrag vorliegen, eine nachträgliche Vorlage und Rückerstattung ist laut WKO grundsätzlich nicht möglich. Die Details stehen im Beitrag zu den Förderungen für Jungunternehmer.
Die laufenden Kosten beginnen mit der Anmeldung:
- Sozialversicherung: Mit der Gewerbeberechtigung werden Sie Mitglied der Wirtschaftskammer und damit in der SVS pflichtversichert. In den ersten drei Jahren berechnet die SVS die vorläufigen Beiträge von der Mindestbeitragsgrundlage, 2026 rund 161 € im Monat. Mehr dazu im Beitrag zu den SVS-Beiträgen.
- Grundumlage: Sie ist laut WKO eine unteilbare Jahresumlage und auch im Gründungsjahr fällig. Besteht die Mitgliedschaft höchstens ein halbes Jahr, zahlen Sie die Hälfte, bei höchstens 31 Tagen nichts. Wer erstmals eine Berechtigung erwirbt, ist im darauffolgenden Kalenderjahr befreit (Neugründungsprivileg seit 2019). Die Höhe legt jede Fachgruppe selbst fest.
Kleiner Nebenerwerb: die Ausnahme von der Pflichtversicherung
Wer nebenbei ein kleines Gewerbe betreibt, muss es trotzdem anmelden. Für die Sozialversicherung gibt es aber eine Ausnahme auf Antrag (§ 4 Abs. 1 Z 7 GSVG): Gewerbetreibende werden von der Kranken- und Pensionsversicherung ausgenommen, wenn ihr Umsatz aus allen unternehmerischen Tätigkeiten die Kleinunternehmergrenze von 55.000 € und ihre Einkünfte aus der Tätigkeit 6.613,20 € im Jahr nicht übersteigen.
Den Antrag kann nur stellen, wer in den letzten 60 Kalendermonaten höchstens zwölf Monate nach dem GSVG pflichtversichert war, das Regelpensionsalter erreicht hat oder über 57 ist und die Grenzen in den letzten fünf Jahren eingehalten hat. Die Ausnahme gilt frühestens ab dem 1. Jänner des Antragsjahres. Die Unfallversicherung bleibt bestehen. Liegen Umsatz oder Einkünfte am Ende doch darüber, fällt die Ausnahme rückwirkend weg und die Beiträge werden nachgefordert. Der Antrag geht an die SVS.
Die Versicherungsgrenze für Neue Selbständige ist kein Weg, um eine gewerbliche Tätigkeit ohne Gewerbeschein auszuüben. Fällt die Tätigkeit unter die Gewerbeordnung, ist die Anmeldung Pflicht, unabhängig vom Umsatz. Die Lösung für kleine Beträge ist die Kleinunternehmer-Ausnahme bei der SVS, nicht der Verzicht auf die Anmeldung.
Mehrere Gewerbe anmelden
Wer mehrere Tätigkeiten ausübt, die unter verschiedene Gewerbe fallen, braucht für jedes eine eigene Berechtigung. Die Grundumlage fällt laut WKO für jede Berechtigung an, die in den Wirkungsbereich einer Fachgruppe fällt. Gehören zwei Berechtigungen zu verschiedenen Fachgruppen, zahlen Sie also zweimal.
Ruhen und Zurücklegen
Wer ein Gewerbe vorübergehend nicht ausübt, kann das Ruhen melden. Die Anzeige geht binnen drei Wochen an die Landeskammer (§ 93 Abs. 1 GewO). Für die Dauer des Ruhens entfällt die Pflichtversicherung in der Kranken- und Pensionsversicherung, sogar bis zu 18 Monate rückwirkend, wenn Sie in dieser Zeit keine Leistungen bezogen haben (§ 4 Abs. 1 Z 1 GSVG). Die Grundumlage läuft weiter, ruhen alle Berechtigungen einer Fachgruppe das ganze Jahr, ist sie höchstens in halber Höhe zu zahlen.
Endgültig beenden Sie ein Gewerbe durch die Zurücklegung bei der Bezirksverwaltungsbehörde. Erst dann erlischt die Grundumlagepflicht, und zwar ab dem Folgejahr. Wann sich Ruhen statt Zurücklegen lohnt, steht im Beitrag Gewerbe ruhend melden.
Diese Informationen ersetzen keine individuelle Beratung. Ob eine Tätigkeit ein freies oder reglementiertes Gewerbe ist, entscheidet im Zweifel die Gewerbebehörde, Auskunft gibt das Gründerservice der Wirtschaftskammer. Stand der Informationen: Oktober 2026.
Häufige Fragen
Was kostet die Gewerbeanmeldung?
Nichts. Seit der Gewerberechtsnovelle 2017 sind Eingaben nach der Gewerbeordnung von Gebühren und Abgaben des Bundes befreit, auch die GISA-Auszüge. Kosten entstehen danach durch die SVS-Beiträge und die Grundumlage der Wirtschaftskammer.
Ab wann darf ich nach der Anmeldung arbeiten?
Bei den meisten Gewerben ab dem Tag der Anmeldung, wenn alle Nachweise vorliegen. Bei den 13 Gewerben mit Zuverlässigkeitsprüfung nach § 95 GewO erst mit rechtskräftigem Bescheid, bei Versicherungs-, Kredit- und Wertpapiervermittlung erst mit der Eintragung ins GISA.
Kann ich ein kleines Gewerbe ohne SVS-Beiträge betreiben?
Mit der Kleinunternehmer-Ausnahme ja, für Kranken- und Pensionsversicherung. Voraussetzung sind höchstens 55.000 € Umsatz und höchstens 6.613,20 € Einkünfte im Jahr und keine längere GSVG-Versicherung in den letzten fünf Jahren. Die Unfallversicherung bleibt, das Gewerbe muss trotzdem angemeldet sein.
Was ist der GISA-Auszug?
Der Auszug aus dem Gewerbeinformationssystem Austria, in das die Behörde Ihre Gewerbeberechtigung einträgt. Er ersetzt den früheren Gewerbeschein und ist kostenlos.
Muss ich die Grundumlage schon im ersten Jahr zahlen?
Ja, die Grundumlage ist auch im Gründungsjahr fällig, bei höchstens einem halben Jahr Mitgliedschaft zur Hälfte. Befreit sind Neugründer im darauffolgenden Kalenderjahr.