Finanzen

Jeden Tag schlittern 19 Betriebe in Österreich in die Pleite

3.449 Unternehmen haben im ersten Halbjahr 2026 in Österreich Insolvenz angemeldet. Das sind 19 Betriebe pro Tag, Sonn- und Feiertage mitgerechnet, und kaum weniger als 2025, als mit 6.810 Firmenpleiten fast der Wert des Finanzkrisenjahres 2009 erreicht wurde. Bei 1.444 dieser Betriebe reichte das Vermögen nicht einmal mehr für die Eröffnung eines Verfahrens. Für Lieferanten,…

AutorRedaktionStand16. September 2026Lesezeit14 Minuten

3.449 Unternehmen haben im ersten Halbjahr 2026 in Österreich Insolvenz angemeldet. Das sind 19 Betriebe pro Tag, Sonn- und Feiertage mitgerechnet, und kaum weniger als 2025, als mit 6.810 Firmenpleiten fast der Wert des Finanzkrisenjahres 2009 erreicht wurde.

Bei 1.444 dieser Betriebe reichte das Vermögen nicht einmal mehr für die Eröffnung eines Verfahrens. Für Lieferanten, Vermieter und Auftragnehmer ist das die eigentlich schlechte Nachricht: Wo kein Verfahren eröffnet wird, wird auch nichts verteilt.

Das Wichtigste in Kürze

  • 1. Halbjahr 2026: 3.449 Firmenpleiten, ein Prozent weniger als im Vorjahr, im Schnitt 19 pro Tag (KSV1870, Stand Juli 2026).
  • Gesamtjahr 2025: 6.810 Fälle. Die 4.186 eröffneten Verfahren sind der höchste Wert seit mindestens 2005.
  • 1.444 Fälle im Halbjahr, 42 Prozent, wurden mangels Vermögens gar nicht eröffnet. Ihre Zahl stieg um 10 Prozent.
  • Handel (559), Bau (485) und Gastronomie (451) stellen 43 Prozent aller Pleiten. Nur die Gastronomie legt zu, um 10,8 Prozent.
  • Wien kommt 2025 auf 20,4 Insolvenzen je 1.000 aktive Kammermitgliedschaften, Vorarlberg auf 6,0.
  • Häufigste Ursache 2025 sind operative Fehler wie Liquiditäts- und Absatzprobleme (47,2 Prozent), dahinter Gründungsfehler (18,4 Prozent).
  • Im Westeuropa-Vergleich liegt Österreich mit 116 Insolvenzen je 10.000 Unternehmen deutlich über dem Schnitt von 69.

Die Bilanz des ersten Halbjahres 2026

Der Rückgang um ein Prozent klingt nach Entspannung. Er ist eher eine Seitwärtsbewegung auf sehr hohem Niveau. Die Zahl der eröffneten Verfahren sank um acht Prozent, die der mangels Vermögens nicht eröffneten Fälle stieg dagegen um zehn Prozent. Mehr Betriebe kommen also erst dann zum Gericht, wenn nichts mehr zu holen ist.

Kennzahl
1. Hj. 2026
1. Hj. 2025
Veränderung
Firmenpleiten gesamt
3.449
3.491
-1 %
davon eröffnete Verfahren
2.005
2.173
-8 %
davon mangels Vermögens nicht eröffnet
1.444
1.318
+10 %
Geschätzte Passiva
4.374 Mio. €
4.428 Mio. €
-1 %
Betroffene Mitarbeiter
10.000
10.500
-5 %
Betroffene Gläubiger
24.200
20.800
+16 %

Quelle: KSV1870, Unternehmensinsolvenzen 1. Halbjahr 2026 (Passiva vorläufig, Stichtag 6. Juli 2026)

Auffällig ist die Gläubigerzeile. Auf jede Pleite kamen im Halbjahr rechnerisch sieben Gläubiger, 2025 waren es acht. Ein Ausfall zieht also regelmäßig eine ganze Reihe von Geschäftspartnern mit, und bei kleinen Betrieben entscheidet eine einzige offene Rechnung über ein gutes oder schlechtes Quartal.

Für das Gesamtjahr rechnet der KSV1870 in seiner Halbjahresbilanz mit einem Ergebnis rund um die 6.800 Fälle des Vorjahres. Der AKV erwartet einen Rückgang auf etwa 4.000 eröffnete Verfahren, inklusive der abgewiesenen Anträge aber mehr als 7.300 Insolvenzen. Creditreform spricht von einer Seitwärtsbewegung auf hohem Niveau.

So viele Pleiten wie in der Finanzkrise

Balkendiagramm: Firmenpleiten in Österreich 2008 bis 2025, aufgeteilt in eröffnete und nicht eröffnete Verfahren. Höchstwerte 6.902 im Jahr 2009 und 6.810 im Jahr 2025, Tiefstwert 3.034 in den Jahren 2020 und 2021.Balkendiagramm: Firmenpleiten in Österreich pro Jahr von 2008 bis 2025, von 6.315 über 3.034 in den Corona-Jahren bis 6.810 im Jahr 2025.

2009 zählte der KSV1870 6.902 Firmenpleiten, 2025 waren es 6.810. Dazwischen liegen ein langsamer Rückgang auf rund 5.000 Fälle pro Jahr und ein künstliches Tief: 2020 und 2021 mit jeweils 3.034 Insolvenzen. Staatshilfen stützten damals viele Betriebe, und laut KSV1870 stellten Gesundheitskasse und Finanzämter erst gegen Ende 2021 wieder Insolvenzanträge. Was in diesen zwei Jahren ausblieb, kam ab 2022 nach.

Bei den eröffneten Verfahren ist 2025 sogar ein Rekordjahr. 4.186 Mal wurde ein Verfahren eröffnet, mehr als in jedem Jahr seit 2005. Die nicht eröffneten Fälle haben sich seit 2021 von 974 auf 2.624 fast verdreifacht.

Die absolute Zahl erzählt allerdings nur die halbe Geschichte. Österreich hat heute deutlich mehr Unternehmen als 2010. Setzt man die Pleiten ins Verhältnis zu den aktiven Kammermitgliedschaften der WKO, liegt die Quote 2025 unter dem Wert von 2010, aber klar über dem Vorkrisenjahr 2019.

Jahr
Firmenpleiten
Aktive Kammermitgliedschaften
Pleiten je 1.000
Pleiten pro Tag
2010
6.376
428.424
14,9
17,5
2015
5.150
492.485
10,5
14,1
2019
5.018
537.636
9,3
13,7
2020
3.034
548.923
5,5
8,3
2025
6.810
605.826
11,2
18,7

Quellen: KSV1870 (Firmenpleiten), WKO-Mitgliederstatistik (aktive Kammermitgliedschaften zum Jahresende). Quote berechnet aus beiden Werten; ein Unternehmen kann mehrere Kammermitgliedschaften haben, die Quote ist deshalb ein Näherungswert.

Den rund 19 Pleiten pro Tag stehen rund 110 Neugründungen gegenüber: Die WKO zählte 2025 39.978 Gründungen, ohne selbstständige Personenbetreuer. Die Wirtschaft schrumpft also nicht. Der Umschlag ist nur größer geworden.

Quartal für Quartal: vom Corona-Tief zum Höchststand

Säulendiagramm: Unternehmensinsolvenzen in Österreich pro Quartal vom 1. Quartal 2019 bis zum 2. Quartal 2026. Tiefstwert 483 im 1. Quartal 2021, Höchstwert 1.785 im 1. Quartal 2025, zuletzt 1.668.Säulendiagramm: Insolvenzen pro Quartal 2019 bis 2026, Tiefstwert 483, Höchstwert 1.785.

Die Quartalsdaten von Statistik Austria zeigen den Verlauf genauer. Im ersten Quartal 2021 gab es 483 Insolvenzen, im ersten Quartal 2025 mit 1.785 fast viermal so viele. Seither pendelt die Zahl zwischen 1.600 und 1.750 Fällen pro Quartal. Im zweiten Quartal 2026 waren es 1.668, laut vorläufigen Daten drei Prozent weniger als ein Jahr davor.

Ein Muster wiederholt sich: Das dritte Quartal ist meist das ruhigste, danach steigen die Zahlen wieder. 2024 und 2025 hatte jeweils das dritte Quartal die wenigsten Fälle des Jahres. Der KSV1870 führt das auf die Urlaubszeit zurück. Wer auf Zahlungen wartet, sollte den Herbst deshalb nicht als Entwarnung lesen.

Warum KSV, AKV und Statistik Austria unterschiedliche Zahlen melden

Wer Insolvenzmeldungen verfolgt, stößt für denselben Zeitraum auf vier verschiedene Werte. Alle greifen auf die gerichtliche Insolvenzdatei zurück, zählen aber unterschiedlich.

Quelle
1. Hj. 2026
Veränderung
Was gezählt wird
KSV1870
3.449
-1 %
eröffnete und nicht eröffnete Fälle, jede Firma je nach Verfahrensart nur einmal pro Jahr
Creditreform
3.443
-1,6 %
Unternehmensinsolvenzen, rund 29 pro Werktag
Statistik Austria
3.407
-2,8 %
marktwirtschaftliche Tätigkeiten ohne Vereine und Interessenvertretungen, vorläufige Daten
AKV Europa
3.659
+1,5 %
eröffnete Verfahren plus alle Beschlüsse, mit denen Anträge mangels Vermögens abgewiesen wurden

Quellen: KSV1870 (16. Juli 2026), Creditreform (6. August 2026), Statistik Austria (7. August 2026), AKV Europa (Halbjahresstatistik 2026)

Der größte Unterschied steckt in den abgewiesenen Anträgen. Der AKV zählt Beschlüsse und kam auf 1.654, der KSV1870 zählt jede Firma nur einmal pro Jahr und kam auf 1.444 nicht eröffnete Fälle. Wird gegen denselben Betrieb mehrmals ein Antrag abgewiesen, erscheint er in der Beschlusszählung mehrfach. Deshalb meldet der AKV ein Plus, während die anderen drei einen Rückgang sehen. In der Größenordnung liegen alle nah beieinander: 19 bis 20 Pleiten pro Kalendertag.

Handel, Bau und Gastronomie: die Branchen im Detail

Branche (1. Hj. 2026)
Fälle
davon nicht eröffnet
Passiva in Mio. €
Handel
559
250
271
Bau
485
129
235
Beherbergung und Gastronomie
451
177
149
Grundstücks- und Wohnungswesen
272
67
912
Sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen
264
123
76
Gesundheits- und Sozialwesen
258
242
15
Verkehr und Lagerei
244
115
64
Herstellung von Waren
142
30
316
Finanz- und Versicherungsdienstleistungen
110
38
2.026
Alle Branchen
3.449
1.444
4.374

Quelle: KSV1870, Gesamtinsolvenzen nach Branchen (ÖNACE), 1. Halbjahr 2026; Auswahl der Branchen mit den meisten Fällen oder den höchsten Passiva

Handel und Bau führen die Statistik an, beide mit leichtem Rückgang: minus 5,3 und minus 4,7 Prozent. Beherbergung und Gastronomie ist die einzige große Branche mit steigender Tendenz, laut KSV1870 um 10,8 Prozent, laut Statistik Austria um 7,3 Prozent. Hohe Betriebskosten, fehlendes Personal und kürzere Öffnungszeiten drücken dort gleichzeitig. Die Hintergründe und die Wege aus der Krise für diese Branche stehen im Beitrag zur Insolvenzwelle in Gastronomie und Tourismus.

Zwei Zeilen fallen aus dem Raster. Die Finanz- und Versicherungsdienstleister haben nur 110 Fälle, aber mit 2.026 Millionen Euro fast die Hälfte aller Passiva. Und im Gesundheits- und Sozialwesen wurden 242 von 258 Fällen gar nicht eröffnet. Eine Pleite endet dort fast immer ohne Verfahren.

Die Bundesländer: Vorarlberg legt zu, Tirol geht deutlich zurück

Bundesland
1. Hj. 2026
1. Hj. 2025
Veränderung
Passiva 2026 in Mio. €
Wien
1.324
1.353
-2,1 %
1.078
Niederösterreich
583
555
+5,0 %
270
Oberösterreich
399
389
+2,6 %
208
Steiermark
391
378
+3,4 %
602
Kärnten
223
197
+13,2 %
110
Salzburg
179
216
-17,1 %
84
Tirol
154
220
-30,0 %
1.817
Burgenland
98
110
-10,9 %
103
Vorarlberg
98
73
+34,2 %
102
Österreich
3.449
3.491
-1,2 %
4.374

Quelle: KSV1870, Gesamtinsolvenzen im Bundesländervergleich, 1. Halbjahr 2026

Die Passiva-Spalte zeigt, wie stark einzelne Großfälle ein Bundesland prägen. Tirol hat ein Drittel weniger Pleiten, aber 1,8 Milliarden Euro Schulden in den Verfahren, fast alles aus der Insolvenz der Laura Privatstiftung in Innsbruck. In der Steiermark treiben die Fälle LL-resources, Domaines Kilger und Wollsdorf Leder die Passiva auf 602 Millionen Euro, mehr als das Dreifache des Vorjahres.

Balkendiagramm: Firmeninsolvenzen 2025 je 1.000 aktive Kammermitgliedschaften nach Bundesland. Wien 20,4, Österreich 11,2, Burgenland 9,9, Salzburg 9,8, Niederösterreich 9,3, Oberösterreich 9,2, Kärnten 9,0, Steiermark 8,3, Tirol 7,6, Vorarlberg 6,0.Balkendiagramm: Pleitenquote 2025 nach Bundesland, Wien 20,4 je 1.000 aktive Kammermitgliedschaften, Vorarlberg 6,0.

Gemessen an der Zahl der aktiven Betriebe ist Wien der Ausreißer. 38 Prozent aller Firmenpleiten des Halbjahres entfielen auf die Bundeshauptstadt, obwohl dort nur 21 Prozent der aktiven Kammermitgliedschaften angesiedelt sind. 2025 kamen in Wien 20,4 Insolvenzen auf 1.000 aktive Mitgliedschaften, in Vorarlberg 6,0. Auch bei den großen Fällen dominiert die Hauptstadt: 19 der 44 Insolvenzen des Halbjahres mit mehr als zehn Millionen Euro Passiva hatten ihren Sitz in Wien.

Die größten Insolvenzen des Jahres

Unternehmen
Sitz
Passiva
Laura Privatstiftung
Innsbruck
1.708 Mio. €
Georg-Coch-Platz Immobilien GmbH & GmbH OG
Wien
320 Mio. €
LL-resources GmbH
Graz
131 Mio. €
Domaines Kilger GmbH & Co KG
Gamlitz
83 Mio. €
FOP Immobilienbesitz beta GmbH
Parndorf
69 Mio. €

Quelle: KSV1870, Großinsolvenzen 1. Halbjahr 2026 (derzeit bekannte Passiva)

Bei der Laura Privatstiftung handelt es sich um angemeldete Forderungen. Laut AKV wurden davon bis zur Prüfungstagsatzung vorerst rund 32 Millionen Euro anerkannt. Nach Arbeitsplätzen war die WOLLSDORF LEDER SCHMIDT & Co. Ges.m.b.H. mit 361 Beschäftigten die größte Insolvenz, gefolgt von der EITEK GmbH in Ebergassing (319) und der Nothegger Transport Logistik GmbH (191).

Die typische Pleite sieht allerdings ganz anders aus. 1.786 der 2.005 eröffneten Verfahren, also 89 Prozent, hatten Passiva von höchstens zwei Millionen Euro. Umgekehrt vereinten 44 Großinsolvenzen mit mehr als zehn Millionen Euro 71 Prozent aller Passiva auf sich. Die Schlagzeilen gehören den Stiftungen und Immobiliengesellschaften. Die Statistik gehört den kleinen Betrieben.

Warum Betriebe scheitern

Balkendiagramm: Insolvenzursachen 2025 im Vergleich zu 2024. Operative Ursachen 47,2 Prozent (2024: 42,3), Gründungsfehler 18,4 (20,0), strategische Ursachen 11,2 (11,5), persönliches Verschulden 9,0 (10,0), unbeherrschbare Umstände 7,2 (11,2), externe Vorkommnisse 7,0 (5,0).Balkendiagramm: Insolvenzursachen 2025, operative Ursachen 47,2 Prozent, Gründungsfehler 18,4 Prozent.

Für die Ursachenanalyse 2025 des KSV1870 wurden rund 3.800 eröffnete Firmeninsolvenzen ausgewertet. Fast jede zweite geht auf operative Fehler im Tagesgeschäft zurück, so viele wie noch nie in der aktuellen Krisenphase. 2022 lag der Anteil bei 29 Prozent.

  • Schwächen bei Finanzierung, Liquidität und Forderungsbetreibung: 15,1 Prozent
  • Absatzschwächen in Werbung, Vertrieb und Kalkulation: 12,6 Prozent
  • schlechte Kostenstruktur: 10,9 Prozent
  • mangelhafte Planung und fehlendes Controlling: 8,0 Prozent

Wer seine Liquidität nicht Monat für Monat vorausplant, merkt den Engpass oft erst, wenn das Konto leer ist. Eine laufende Cash-Flow-Rechnung zeigt ihn Wochen früher.

Jede fünfte bis sechste Pleite beginnt schon mit der Gründung. 9,1 Prozent der Fälle führt der KSV1870 auf fehlendes Branchen- oder Betriebswirtschaftswissen zurück, 4,8 Prozent auf zu wenig Eigenkapital und 4,5 Prozent auf fehlende Eignung, überhaupt ein Unternehmen zu führen. Ein belastbarer Businessplan und eine Gründungsberatung vor dem Start setzen genau an diesen drei Punkten an.

Dazu passt das Alter der insolventen Firmen. 40 Prozent der 2025 eröffneten Verfahren betrafen Unternehmen, die 2020 oder später gegründet wurden, weitere 26 Prozent stammen aus den Jahren 2015 bis 2019. Gleichzeitig sind laut WKO sieben von zehn Unternehmen fünf Jahre nach der Gründung noch aktiv. Die ersten Jahre sind also riskant, aber die Mehrheit übersteht sie.

Achtung, Zinsen und Finanzierung:
Plötzliche Änderungen des Finanzierungsrahmens, etwa durch das Zinsniveau, waren 2025 bei 4,5 Prozent der Pleiten die Hauptursache, 2023 erst bei 0,6 Prozent. Wer mit variabel verzinsten Krediten oder einem ausgereizten Kontokorrentrahmen arbeitet, sollte mit der Bank über Laufzeiten und Rahmen reden, bevor eine Verlängerung ansteht, nicht erst danach.

GmbH oder Einzelunternehmen: wen es trifft

Rechtsform (eröffnete Verfahren)
1. Hj. 2026
1. Hj. 2025
GmbH
1.080
1.229
Einzelunternehmen
652
655
Kommanditgesellschaft
113
139
Offene Gesellschaft
20
29
Vereine
25
11
Aktiengesellschaft
3
7
Sonstige (Verlassenschaften, Privatstiftungen, Gesellschafter u. a.) und Ausland
112
103
Gesamt
2.005
2.173

Quelle: KSV1870, eröffnete Insolvenzen nach Rechtsformen, 1. Halbjahr 2026

Mehr als die Hälfte der eröffneten Verfahren betrifft eine GmbH. Dort ist auch der Rückgang in absoluten Zahlen am größten, mit 149 Fällen weniger als im Vorjahr. Einzelunternehmen stellen knapp ein Drittel, ihre Zahl ist praktisch unverändert. Für sie ist die Pleite des Betriebs immer auch eine private: Im Einzelunternehmen haftet der Inhaber mit seinem gesamten Vermögen. Bei der GmbH haftet grundsätzlich die Gesellschaft, die Gesellschafter riskieren in der Regel ihre Einlage auf das Stammkapital.

Österreich im Europavergleich

Balkendiagramm: Unternehmensinsolvenzen 2025 je 10.000 Unternehmen in Westeuropa. Luxemburg 243, Schweiz 197, Dänemark 168, Belgien und Frankreich 129, Schweden 125, Österreich 116, Großbritannien 92, Deutschland 77, Westeuropa-Schnitt 69, Griechenland 3.Balkendiagramm: Insolvenzquoten in Westeuropa 2025, Österreich 116 je 10.000 Unternehmen, Westeuropa-Schnitt 69.

Die Creditreform-Analyse der Unternehmensinsolvenzen in Europa 2025 kommt für Österreich auf 116 Insolvenzen je 10.000 Unternehmen. Der westeuropäische Schnitt liegt bei 69, Deutschland bei 77. Die Größenordnung deckt sich mit der Quote von 11,2 Pleiten je 1.000 aktive Kammermitgliedschaften: In beiden Rechnungen geht gut ein Prozent der Betriebe pro Jahr in die Insolvenz.

Das niedrige Niveau in Spanien, Italien oder Griechenland heißt nicht, dass dort weniger Firmen aufgeben. In Südeuropa werden Unternehmen laut Creditreform häufiger ohne Insolvenzverfahren geschlossen oder liquidiert, und das unterschiedliche Insolvenzrecht schränkt den Vergleich ohnehin ein. Der Abstand zum Nachbarn Deutschland bleibt trotzdem bemerkenswert: Dort liegt die Quote um ein Drittel niedriger. Auch in absoluten Zahlen stieg Österreich 2025 zum vierten Mal in Folge, laut Creditreform auf 6.982 Fälle.

Wie Verfahren ausgehen: Sanierung wird seltener

Im ersten Halbjahr 2026 starteten nur 277 der 2.005 eröffneten Verfahren als Sanierungsverfahren, 36 davon mit Eigenverwaltung. 1.728 waren Konkurse. Ein Sanierungsplan muss den Gläubigern nach § 141 Insolvenzordnung mindestens 20 Prozent binnen zwei Jahren bieten, mit Eigenverwaltung sind es 30 Prozent.

Beendigung (Firmeninsolvenzen 1. Hj. 2026)
Verfahren
Anteil
Verteilung der Masse
715
37,8 %
Nullquote
624
33,0 %
Sanierungsplan
396
21,0 %
Zahlungsplan
96
5,1 %
Abschöpfung und Sonstiges
59
3,1 %
Aufgehobene Verfahren gesamt
1.890
100 %

Quelle: AKV Europa, Insolvenzstatistik 1. Halbjahr 2026, Aufhebung Firmeninsolvenzen

Der Anteil der Verfahren, die mit einem angenommenen Sanierungsplan enden, ist binnen eines Jahres von 26,0 auf 21,0 Prozent gefallen. Die Nullquote stieg von 27,5 auf 33,0 Prozent. In jedem dritten beendeten Verfahren bekamen die Gläubiger also nichts. Der AKV sieht die Ursache darin, dass Betrieben zunehmend das Geld fehlt, um den Betrieb fortzuführen und eine Quote zu finanzieren.

Der AKV sieht auch einen Zusammenhang mit späten Anträgen. Wie das Unternehmensserviceportal zusammenfasst, muss ein insolventes Unternehmen ohne schuldhaftes Zögern, spätestens aber binnen 60 Tagen den Antrag stellen. In der Praxis kamen im Halbjahr 57 Prozent der eröffneten Firmeninsolvenzen über einen Gläubigerantrag zustande, nur 43 Prozent über einen Eigenantrag. Wer selbst beantragt, solange noch Vermögen da ist, hat die bessere Chance auf einen Sanierungsplan. Die Fristen und Verfahrensarten im Detail stehen im Beitrag zur 60-Tage-Frist und Sanierung statt Konkurs.

Gut zu wissen:
Seit 1. Jänner 2026 kann der Insolvenzverwalter bezahlte Umsatzsteuer und im Abzugsweg erhobene Abgaben wie die Lohnsteuer nicht mehr anfechten, sofern das Vermögen für die Eröffnung reicht. Für entrichtete Sozialversicherungsbeiträge gilt dasselbe. Grundlage ist das Betrugsbekämpfungsgesetz 2025 (BGBl. I Nr. 98/2025 mit § 211a BAO, BGBl. I Nr. 107/2025 mit § 65 Abs. 3 ASVG). Was früher in die Masse zurückgeholt wurde, fehlt jetzt bei der Verteilung. Der KSV1870 kritisiert das als faktische Rückkehr des Klassenkonkurses und rechnet mit niedrigeren Quoten für alle übrigen Gläubiger.

Wenn ein Kunde pleitegeht: was Gläubiger tun können

Rund 24.200 Gläubiger waren im ersten Halbjahr 2026 von einer Firmenpleite betroffen. Wer darunter ist, hat meist wenig Zeit und sollte die Schritte in dieser Reihenfolge abarbeiten:

  1. Insolvenz prüfen: Die Insolvenzdatei der Justiz ist kostenlos und zeigt Aktenzeichen, zuständiges Gericht, Insolvenzverwalter und die Anmeldefrist.
  2. Forderung anmelden: Die Anmeldung geht an das Insolvenzgericht, unter Angabe des Aktenzeichens. Die Pauschalgebühr beträgt laut WKO 31 €. Rechtsgrund und Sachverhalt der Forderung sollten klar dargestellt sein.
  3. Frist beachten: Nachträgliche Anmeldungen sind bis 14 Tage vor der Schlussrechnungstagsatzung möglich, die zusätzlichen Kosten trägt der Gläubiger.
  4. Zinsen richtig berechnen: Verzugszinsen sind gesondert aufzuschlüsseln und nur bis zum Tag der Insolvenzeröffnung anzumelden.
  5. Eigentumsvorbehalt nutzen: Unter Eigentumsvorbehalt gelieferte Ware kann herausverlangt werden (Aussonderung). Der Insolvenzverwalter darf sie nur behalten, wenn er den Kaufpreis vollständig bezahlt.
  6. Umsatzsteuer zurückholen: Wird eine Rechnung uneinbringlich, ist die bereits abgeführte Umsatzsteuer nach § 16 Abs. 3 UStG zu berichtigen. Die Uneinbringlichkeit muss belegbar sein, etwa durch Beschlüsse aus dem Insolvenzverfahren. Zahlt der Kunde später doch, wird erneut berichtigt.

Eine Exekution kurz vor der Pleite sichert meist nichts: Ein richterliches Pfandrecht, das in den letzten 60 Tagen vor der Eröffnung erworben wurde, erlischt mit der Insolvenzeröffnung.

Praxis-Tipp:
Der teuerste Fall ist der, in dem gar kein Verfahren eröffnet wird. 42 Prozent der Pleiten im Halbjahr endeten so, ohne Anmeldung, ohne Verteilung und ohne Quote. Bei neuen Geschäftspartnern und größeren Aufträgen lohnt deshalb der Blick in das Firmenbuch, auf die hinterlegten Jahresabschlüsse und auf Rückstände bei früheren Zahlungen, bevor Sie Leistungen auf Rechnung erbringen. Bei Neukunden ohne Zahlungshistorie sind Anzahlung oder Teilrechnungen nach Baufortschritt das einfachste Mittel, das Ausfallsrisiko klein zu halten.

Die Vorsicht hat einen messbaren Hintergrund. Laut KSV1870 befanden sich 2019 noch 15,4 Prozent der aktiven Unternehmen in den beiden besten Bonitätsklassen, Anfang 2026 waren es nur noch 12,6 Prozent. 86,8 Prozent liegen in den Klassen mit geringem oder erhöhtem Ausfallrisiko.

Häufige Fragen

Wie viele Insolvenzen gab es 2025 in Österreich?

Der KSV1870 zählte 2025 genau 6.810 Unternehmensinsolvenzen, 3,4 Prozent mehr als 2024. 4.186 Verfahren wurden eröffnet, 2.624 Anträge mangels kostendeckenden Vermögens abgewiesen. Statistik Austria kommt nach vorläufigen Daten auf 6.793 Fälle, Creditreform auf 6.982.

Wie viele Firmen gehen in Österreich pro Tag pleite?

2025 waren es im Schnitt 18,7 pro Kalendertag, im ersten Halbjahr 2026 19,1. Auf Werktage gerechnet sind es rund 29 Firmenpleiten pro Tag. Dem stehen etwa 110 Neugründungen pro Tag gegenüber.

Was ist der Unterschied zwischen Insolvenz und Konkurs?

Insolvenz ist der Oberbegriff für Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung. Der Konkurs ist eine der Verfahrensarten, in der Regel mit Verwertung des Vermögens und Verteilung an die Gläubiger. Die Alternative ist das Sanierungsverfahren: Der Betrieb läuft in der Regel weiter und bietet den Gläubigern mindestens 20 Prozent ihrer Forderungen binnen zwei Jahren an, mit Eigenverwaltung 30 Prozent.

Wo sieht man aktuelle Insolvenzen in Österreich?

Alle eröffneten Verfahren stehen in der Insolvenzdatei des Justizministeriums unter edikte.justiz.gv.at, kostenlos und tagesaktuell. Die Gläubigerschutzverbände KSV1870, AKV und Creditreform veröffentlichen zusätzlich Listen aktueller Fälle.

Ich bin selbstständig und kann meine Rechnungen nicht mehr zahlen: Was tun?

Früh handeln. Tritt Zahlungsunfähigkeit ein, muss der Insolvenzantrag ohne schuldhaftes Zögern, spätestens binnen 60 Tagen gestellt werden. Diese Zeit lässt sich nutzen, um mit den Gläubigern einen außergerichtlichen Vergleich zu verhandeln. Gelingt das nicht, kann ein Eigenantrag mit Sanierungsplan den Betrieb unter Umständen retten. Ein Rechtsanwalt oder Steuerberater sollte die Optionen vor dem Antrag mit Ihnen durchgehen.

Quellen