Bis 2034 stehen in Österreich rund 52.500 Betriebe zur Übergabe an – Unternehmen mit zusammen etwa 705.000 Beschäftigten. Das ist knapp ein Viertel aller Arbeitgeberbetriebe. Gleichzeitig hat rund die Hälfte der übergabewilligen Unternehmer noch keinen geeigneten Nachfolger gefunden. Für Gründungswillige ist das eine der größten Chancen des Jahrzehnts.
- Im Zeitraum 2025 bis 2034 stehen laut BMWET rund 52.500 Unternehmen (ohne EPU) zur Übergabe an – etwa 23 Prozent aller Arbeitgeberbetriebe.
- Rund 705.000 Beschäftigte arbeiten in diesen Betrieben.
- Die Zahl der jährlichen Übergaben stieg von 5.995 (2015) auf 7.792 (2024).
- Familieninterne Nachfolgen machen inzwischen weniger als die Hälfte aus – familienexterne Lösungen werden zur Regel.
- Eine Übernahme startet mit erprobtem Kundenstamm und laufendem Cashflow: 61 Prozent der Übernehmer steigerten nach dem Einstieg den Umsatz.
- Wer übergeben oder übernehmen will, sollte fünf bis sieben Jahre Vorlauf einplanen. Stand Juli 2026.
Die Nachfolgewelle in Zahlen
Der Grund für die Welle ist demografisch: Die Gründergeneration der Babyboomer erreicht das Pensionsalter, und ihre Betriebe brauchen eine Nachfolge. Die Statistik zeigt das Ausmaß deutlich.
Kennzahl |
Wert |
|---|---|
Betriebe zur Übergabe 2025-2034 (ohne EPU) |
rund 52.500 |
Anteil aller Arbeitgeberbetriebe |
rund 23 % |
Betroffene Beschäftigte |
rund 705.000 |
Übergaben 2015 |
5.995 |
Übergaben 2024 |
7.792 |
Warum die Nachfolge schwieriger wird
Früher blieb der Betrieb meist in der Familie. Heute übernimmt weniger als die Hälfte der Kinder das elterliche Unternehmen – andere Berufswege, höhere Mobilität und der Wunsch nach eigener Entfaltung führen weg vom Familienbetrieb. Damit rücken familienexterne Nachfolgelösungen in den Vordergrund: Verkauf an Mitarbeiter, an andere Unternehmer oder an gründungswillige Einzelpersonen.
Genau hier entsteht die Lücke. Viele Betriebe sind wirtschaftlich gesund und gut eingeführt, finden aber niemanden, der sie weiterführt. Wenn kein Nachfolger gefunden wird, droht die Schließung eines funktionierenden Unternehmens – mit Verlust von Arbeitsplätzen und regionaler Versorgung. Für wen eine Existenzgründung ansteht, lohnt daher der Blick auf bestehende Betriebe statt auf die grüne Wiese.
Besonders groß ist der Druck in einzelnen Branchen. Schätzungen zufolge stehen allein im Tourismus bis 2029 rund 8.000 Betriebsübergaben an – Hotels, Gasthäuser und Pensionen, deren Inhaber in Pension gehen. Auch im Handel und im klassischen Gewerbe ballen sich die Übergaben, weil dort viele Betriebe von der Gründergeneration der 1980er- und 1990er-Jahre geführt werden.
Übernehmen statt gründen: die unterschätzte Alternative
Eine Übernahme hat gegenüber der Neugründung handfeste Vorteile: Es gibt bereits Kunden, Lieferantenbeziehungen, eingearbeitetes Personal und laufende Einnahmen. Das Risiko der ersten, oft verlustreichen Jahre entfällt weitgehend. Die Zahlen bestätigen das – 61 Prozent der Übernehmer konnten nach dem Einstieg den Umsatz steigern, sechs von zehn erhöhten ihre Investitionen.
Die Unternehmensnachfolge als Alternative zur Gründung ist damit für viele der klügere Weg in die Selbstständigkeit. Statt eine Idee erst am Markt zu beweisen, steigen Übernehmer in ein erprobtes Geschäftsmodell ein – und können es mit frischen Impulsen weiterentwickeln.
Wer übernehmen will, sollte den Betrieb vor dem Kauf gründlich prüfen: Ertragslage der letzten Jahre, Abhängigkeit von einzelnen Kunden, Zustand von Ausstattung und Standort sowie die Frage, ob wichtiges Know-how am scheidenden Inhaber hängt. Eine saubere Übergabephase mit Einschulung ist Gold wert.
Die Wege der Übergabe
Für die Übergabe gibt es mehrere Modelle, die sich in Aufwand, Steuer und Haftung unterscheiden:
- Familieninterne Übergabe: Weitergabe an Kinder oder Verwandte, oft schenkungsweise oder zu einem günstigen Preis.
- Verkauf an Mitarbeiter (Management-Buy-out): Wer den Betrieb kennt, führt ihn oft am reibungslosesten weiter.
- Familienexterner Verkauf: Übergabe an einen anderen Unternehmer oder eine gründungswillige Person, häufig über eine Nachfolgebörse.
Die konkreten Schritte – vom Kaufvertrag über die Gewerbeummeldung bis zur Übertragung von GmbH-Anteilen und der NeuFöG-Förderung – hängen stark von der Rechtsform ab. Eine geordnete Betriebsübertragung braucht rechtliche und steuerliche Begleitung.
Früh planen: Bewertung, Timing und Steuer
Der häufigste Fehler ist, zu spät zu beginnen. Eine seriöse Übergabe braucht fünf bis sieben Jahre Vorlauf – für die Aufbereitung der Zahlen, die Suche nach dem passenden Nachfolger und die schrittweise Übergabe der Verantwortung. Wer erst mit dem Pensionsantritt beginnt, verkauft unter Druck und meist unter Wert.
Zentral ist die realistische Unternehmensbewertung. Verkäufer überschätzen den Wert ihres Lebenswerks häufig, Käufer wollen kein Risiko bezahlen. Eine nachvollziehbare Bewertung nach anerkannten Methoden schafft die Basis für eine faire Einigung. Auf der Förderseite lohnt für Übernehmer der Blick auf das Neugründungs-Förderungsgesetz und weitere Förderungen für Jungunternehmer, die auch bei Betriebsübernahmen greifen.
Steuerlich ist die Übergabe kein Selbstläufer, aber es gibt Erleichterungen. Bei der unentgeltlichen Übergabe kommen Freibeträge zum Tragen, und das Neugründungs-Förderungsgesetz kann bestimmte Gebühren und Abgaben bei der Übernahme entfallen lassen. Die genaue Gestaltung gehört in die Hand eines Steuerberaters – hier entscheiden Details über beträchtliche Summen.
Für Verkäufer: den Betrieb übergabefähig machen
Ein Betrieb, der ganz am Inhaber hängt, ist schwer verkäuflich. Wer die Übergabe vorbereitet, sollte den eigenen Betrieb bewusst unabhängiger von der eigenen Person machen. Das steigert den Verkaufswert und erleichtert dem Nachfolger den Einstieg.
Vier Hebel sind entscheidend:
- Prozesse dokumentieren: Abläufe, Rezepte, Kundenlisten und Lieferantenkontakte schriftlich festhalten, statt sie im Kopf zu behalten.
- Kundenstamm verbreitern: Ein Betrieb, der von wenigen Großkunden abhängt, ist riskanter und weniger wert als einer mit breiter Basis.
- Zahlen sauber aufbereiten: Eine nachvollziehbare Buchhaltung und klare Ergebnisse der letzten Jahre schaffen Vertrauen beim Käufer.
- Schlüsselpersonal binden: Bleibt eingearbeitetes Personal an Bord, übernimmt der Nachfolger einen funktionierenden Organismus.
Je weniger der Erfolg an einer einzigen Person hängt, desto höher der Preis und desto reibungsloser die Übergabe.
Unterstützung 2026: Programme und Anlaufstellen
Die Wirtschaftskammer und das Wirtschaftsministerium haben die Nachfolge zum Schwerpunkt gemacht. Mit NextGen4Austria startete 2026 erstmals ein eigenes Ausbildungsprogramm von WKÖ und BMWET für angehende Übernehmer – sechs Module von Mai bis Oktober, teils in Präsenz, teils online, zum geförderten Preis. Wer den ersten Durchgang verpasst hat, sollte den nächsten im Auge behalten.
Für die konkrete Suche gibt es die kostenlose Nachfolgebörse der Wirtschaftskammer, Österreichs größte Plattform für Übergabe und Übernahme. Betriebe lassen sich dort anonym inserieren, Übernahmeinteressierte gezielt suchen. Ergänzend beraten die Gründerservice-Stellen der WKO in jedem Bundesland.
Bei einer Übernahme gehen unter Umständen bestehende Verträge, Gewährleistungen und Dienstverhältnisse auf den neuen Inhaber über. Prüfen Sie vor dem Kauf genau, welche Verpflichtungen Sie mitübernehmen – insbesondere offene Haftungen, laufende Kredite und arbeitsrechtliche Ansprüche der Belegschaft.
Diese Informationen ersetzen keine individuelle Beratung. Für Bewertung, Kaufvertrag, Steuer und Haftung bei einer Betriebsübergabe wenden Sie sich an einen Steuerberater, Notar oder die WKO. Stand der Informationen: Juli 2026.
Häufige Fragen
Wie viele Betriebe suchen in Österreich einen Nachfolger?
Im Zeitraum 2025 bis 2034 stehen laut BMWET rund 52.500 Unternehmen (ohne Ein-Personen-Unternehmen) zur Übergabe an, das sind etwa 23 Prozent aller Arbeitgeberbetriebe mit rund 705.000 Beschäftigten. Rund die Hälfte der übergabewilligen Betriebe hat noch keinen Nachfolger gefunden.
Ist es besser, einen Betrieb zu übernehmen oder neu zu gründen?
Eine Übernahme startet mit bestehendem Kundenstamm, eingearbeitetem Personal und laufenden Einnahmen und umgeht die risikoreiche Anfangsphase. 61 Prozent der Übernehmer steigerten nach dem Einstieg den Umsatz. Für viele ist die Übernahme daher der sicherere Weg in die Selbstständigkeit.
Wie lange dauert eine Betriebsübergabe?
Eine gut vorbereitete Übergabe braucht in der Regel fünf bis sieben Jahre Vorlauf – für die Aufbereitung der Zahlen, die Nachfolgersuche und die schrittweise Übergabe der Verantwortung. Wer zu spät beginnt, verkauft meist unter Druck und unter Wert.
Wo finde ich Betriebe zur Übernahme?
Die zentrale Anlaufstelle ist die kostenlose Nachfolgebörse der Wirtschaftskammer, die größte Plattform für Übergaben in Österreich. Dazu beraten die Gründerservice-Stellen der WKO in jedem Bundesland.