Wer 2026 als EPU in Österreich arbeitet, baut seine Pension über drei Säulen auf – SVS-Pflichtversicherung, betriebliche Vorsorgekasse und private Vorsorge. Die SVS-Pension allein reicht in den meisten Fällen nicht zum Lebensstandard-Erhalt: bei Mindestbeitragsgrundlage erreicht ein EPU nach 35 Beitragsjahren rund 800 Euro Brutto-Pension. Wer früh strategisch denkt, kann die Versorgungslücke mit 200 bis 600 Euro monatlicher Eigenvorsorge schließen.
- EPU zahlt SVS-Pensionsversicherung selbst: 18,5 Prozent der Beitragsgrundlage
- Mindestbeitragsgrundlage 2026: 551,10 Euro/Monat, Höchst 8.085 Euro/Monat
- Pflichtige Selbständigenvorsorge: 1,53 Prozent in BVK („Abfertigung neu“ für Selbstständige)
- Freiwillige Höherversicherung 2026: bis 13.860 Euro/Jahr zusätzlich einzahlbar
- SVS-Pension bei Mindest-BG: rund 800 Euro Brutto/Monat nach 35 Jahren
- Ziel-Versorgungslücke meist 800 bis 1.500 Euro pro Monat – durch private Vorsorge zu schließen
- Stand: April 2026
EPU-spezifische Pension: Anders als bei Angestellten
Während Angestellte 22,8 Prozent Pensionsversicherung mit dem Arbeitgeber teilen (10,25 Prozent Arbeitnehmer-Anteil), zahlen EPU die vollen 18,5 Prozent selbst. Das ist auf den ersten Blick weniger – tatsächlich aber höher belastend, weil der Arbeitgeber-Anteil entfällt. Plus: SVS-Beiträge gehen voll auf den steuerpflichtigen Gewinn.
Mehr zu den konkreten Beträgen 2026 finden Sie in unserem Hub-Artikel zu SVS-Beiträgen 2026.
Die drei Säulen für EPU im Überblick
Säule |
Form für EPU |
Pflicht/Freiwillig |
|---|---|---|
1. Säule (Staatlich) |
SVS-Pflicht-Pensionsversicherung |
Pflicht |
2. Säule (Betrieblich) |
Selbständigenvorsorge in BVK + (optional) Pensionskasse |
Selbständigenvorsorge Pflicht, Pensionskasse freiwillig |
3. Säule (Privat) |
Lebensversicherung, ETF-Sparplan, Immobilien, Höherversicherung |
Freiwillig |
Säule 1: Was die SVS-Pension wirklich bringt
Die Pensionsformel der SVS folgt dem Pensionskonto-System. Vereinfacht: pro Jahr Versicherung erhält der EPU 1,78 Prozent der Beitragsgrundlage als Pensionsgutschrift.
Bei drei typischen EPU-Konstellationen über 35 Beitragsjahre:
Beitragsgrundlage / Jahr |
SVS-Beitrag / Jahr |
Brutto-Pension nach 35 J. |
|---|---|---|
6.613 € (Mindest-BG) |
1.926 € |
rund 800 € / Monat |
30.000 € |
8.049 € |
rund 1.560 € / Monat |
50.000 € |
13.415 € |
rund 2.595 € / Monat |
97.020 € (Höchst-BG) |
17.949 € |
rund 5.040 € / Monat |
Die Pension wird 14 Mal pro Jahr ausgezahlt (zwei Sonderzahlungen). Brutto-Pension wird mit dem persönlichen ESt-Satz im Pensionsalter besteuert – typisch im niedrigeren Tarif als im Erwerbsalter.
Wer dauerhaft an der Mindestbeitragsgrundlage versichert ist und nicht zusätzlich vorsorgt, erreicht im Pensionsalter nur 800 Euro Brutto-Pension. Das ist deutlich unter der Armutsgefährdungsschwelle von rund 1.471 Euro pro Monat (Stand 2024). EPU mit niedrigem Gewinn sollten zwingend die Säulen 2 und 3 ausbauen oder die Möglichkeit der freiwilligen Höherversicherung prüfen.
Säule 2: BVK-Selbständigenvorsorge und Pensionskasse
Alle SVS-pflichtversicherten EPU zahlen 1,53 Prozent ihrer Krankenversicherungs-Beitragsgrundlage in eine Betriebliche Vorsorgekasse (BVK) ein. Bei einer Jahresbeitragsgrundlage von 30.000 Euro sind das 459 Euro pro Jahr – kumuliert über 35 Jahre mit Verzinsung etwa 25.000 bis 35.000 Euro. Auszahlung wahlweise als Einmalzahlung (mit ermäßigter 6-Prozent-Lohnsteuer) oder lebenslange Rente.
Pensionskasse als Ergänzung. Selbstständige können freiwillig in eine eigene Pensionskasse einzahlen oder einen Pensionskasse-Vertrag abschließen. Anbieter sind die ÖPAG, Allianz Pensionskasse, BONUS Pensionskasse und VBV. Vorteile: steueroptimierte Behandlung, professionelle Verwaltung.
Im Praxis-Alltag wählen die meisten EPU statt einer Pensionskasse die einfacheren Säule-3-Produkte (Lebensversicherung, ETF-Sparplan).
Säule 3: Private Vorsorge – vier Hauptwege
Die freiwillige private Vorsorge ist für EPU der wichtigste Hebel. Vier Hauptwege haben sich etabliert:
1. Klassische Lebensversicherung mit Garantieverzinsung. Sparprodukt mit Garantie (aktuell rund 0,5 Prozent) plus Überschussbeteiligung (Gesamtrendite typisch 1,5 bis 2,5 Prozent). KESt-frei bei Auszahlung in Rentenform nach 10 Jahren Vertragsdauer. Schwäche: hohe Abschluss- und Verwaltungskosten (4-7 Prozent der Beiträge).
2. Fondsgebundene Lebensversicherung. Anlage in Investmentfonds mit Versicherungsmantel. Höhere Renditechancen (3 bis 6 Prozent), Risiko aber auch höher. KESt-Privileg bei 10+ Jahren Vertragsdauer plus Auszahlung in Rentenform. Achten auf TER (Total Expense Ratio): unter 1,5 Prozent attraktiv, über 2,5 Prozent zu teuer.
3. ETF-Sparplan im Wertpapierdepot. Steuerlich nicht privilegiert (27,5 Prozent KESt auf Kursgewinne), aber kostengünstig (TER 0,1-0,3 Prozent). Renditen langfristig 5-8 Prozent bei breit gestreuten ETFs (z. B. MSCI World, FTSE All-World). Mehr in Aktiengewinne versteuern.
4. Freiwillige Höherversicherung in der SVS. 2026 bis 13.860 Euro pro Jahr zusätzlich einzahlbar. Vorteil: Beiträge zu 100 Prozent als Sonderausgabe absetzbar, Pensionsleistung erhöht sich linear. Sinnvoll vor allem in Jahren mit hohem Einkommen und hohem Grenzsteuersatz.
Für die meisten EPU ist die optimale Strategie eine Kombination: 70-80 Prozent der Vorsorge-Mittel in einen kostengünstigen ETF-Sparplan (höchste Rendite), 20-30 Prozent in eine fondsgebundene Lebensversicherung (für die KESt-Befreiung im Auszahlungsfall). Wer die Höchstbeitragsgrundlage in der SVS schon ausschöpft, ergänzt um freiwillige Höherversicherung in den Spitzeneinkommensjahren.
Versorgungslücke berechnen: Drei Schritte
Wer die eigene Versorgungssituation einschätzen will:
- Aktuellen Lebensstandard ermitteln. Monatliche Ausgaben heute. Nehmen Sie 70 bis 80 Prozent davon als Pensionsbedarf – im Ruhestand fallen typisch Wegekosten, Versicherung, Konsum-Hobbies geringer aus.
- SVS-Pension prognostizieren. Über das SVS-Online-Portal Pensionskontoauszug anfordern – zeigt aktuellen Stand und Hochrechnung.
- Lücke ermitteln. Pensionsbedarf minus prognostizierte SVS-Pension minus BVK-Auszahlung = Lücke, die durch Säule-3-Produkte zu schließen ist.
Beispielrechnung: EPU mit aktuellen 3.500 Euro Ausgaben pro Monat. Pensionsbedarf 70 Prozent = 2.450 Euro. SVS-Pension prognostiziert 1.560 Euro, BVK-Auszahlung als Rente 80 Euro pro Monat. Lücke: 810 Euro pro Monat – das müssen private Säule-3-Produkte zusätzlich liefern. Bei einer 25-Jahre-Auszahlung entspricht das einem Endkapital von rund 200.000 Euro – bei 5 Prozent Rendite und 25 Jahren Sparzeit etwa 350 Euro pro Monat Sparrate.
Pensions-Antritt: Wann und wie?
Das Regelpensionsalter für Männer beträgt 65 Jahre, für Frauen wird es bis 2033 schrittweise von 60 auf 65 Jahre angehoben. Wichtige Voraussetzungen:
- Mindestens 180 Versicherungsmonate (15 Jahre)
- Davon mindestens 84 Pflichtversicherungsmonate
- Erreichtes Regelpensionsalter
Vorzeitige Pensionsmöglichkeiten:
- Korridorpension: ab 62 Jahren mit mindestens 40 Versicherungsjahren – Abschlag 5,1 Prozent pro Jahr Vorzeitigkeit
- Schwerarbeitspension: ab 60 mit 45 Versicherungsjahren bei körperlich oder psychisch belastenden Tätigkeiten
- Pension neben Erwerbstätigkeit: ab Regelpensionsalter ohne Höchstbeitragsgrenze, vorher mit Hinzuverdienst-Limit
Steuerliche Behandlung der Vorsorge-Beiträge
Die steuerliche Wirkung hängt vom Produkt ab.
Produkt |
Steuer-Behandlung Beiträge |
Steuer-Behandlung Auszahlung |
|---|---|---|
SVS-Pflicht-Pensionsversicherung |
100 Prozent als Betriebsausgabe |
Voll mit ESt |
SVS-Höherversicherung freiwillig |
100 Prozent als Sonderausgabe |
Voll mit ESt |
Klassische Lebensversicherung |
teilweise Sonderausgabe (eingeschränkt) |
KESt-frei bei Rentenauszahlung 10+ Jahre |
Fondsgebundene Lebensversicherung |
teilweise Sonderausgabe |
KESt-frei bei Rentenauszahlung 10+ Jahre |
ETF-Sparplan im Depot |
keine Steuerwirkung |
27,5 Prozent KESt auf Kursgewinne |
Dieser Artikel ersetzt keine individuelle Pensionsberatung. Konkrete Berechnung Ihrer Versorgungslücke und Auswahl der Säule-3-Produkte sollten Sie über die kostenlose SVS-Pensionsberatung oder einen unabhängigen Finanzberater klären. Stand der Informationen: April 2026.
Häufige Fragen
Wie hoch ist meine SVS-Pension als EPU?
Bei Mindestbeitragsgrundlage rund 800 Euro brutto pro Monat nach 35 Beitragsjahren. Bei 30.000 Euro Beitragsgrundlage 1.560 Euro. Bei Höchstbeitragsgrundlage 5.040 Euro.
Was bringt die freiwillige Höherversicherung 2026?
Bis 13.860 Euro pro Jahr zusätzlich einzahlbar. 100 Prozent als Sonderausgabe absetzbar, Pensionsleistung erhöht sich linear. Sinnvoll vor allem in Spitzeneinkommensjahren.
Welche private Vorsorge ist am besten für EPU?
Optimaler Mix: 70-80 Prozent ETF-Sparplan (höchste Rendite), 20-30 Prozent fondsgebundene Lebensversicherung (KESt-Befreiung). Bei vorhandener Liquidität ergänzend freiwillige SVS-Höherversicherung.
Wann kann ich frühestens in Pension gehen?
Korridorpension ab 62 Jahren mit 40+ Versicherungsjahren – mit 5,1 Prozent Abschlag pro Jahr Vorzeitigkeit. Schwerarbeitspension ab 60 mit 45+ Versicherungsjahren bei besonderen Tätigkeiten.
Sind Lebensversicherungs-Beiträge absetzbar?
Eingeschränkt als Sonderausgabe – nur bis zum gesonderten Sonderausgaben-Pauschbetrag plus zusätzlicher Topf. Die Steuerwirkung ist deutlich geringer als bei SVS-Pflichtbeiträgen oder freiwilliger SVS-Höherversicherung.